Der Gasmarkt in Europa
Die Gasbranche in Europa heute ist nicht mit der vor 20 Jahren zu vergleichen. Dieser Überblick umfasst die vollzogenen Veränderungen, die Herausforderungen des Marktes und die Chancen, die sich für Kunden dadurch eröffnen.
Grenzen überschreiten – ein revolutionärer Ansatz zum Kauf von Gas
Entwicklung der Preisfindungsmechanismen für Gas
In der Vergangenheit wurde Gas dort verbraucht, wo es auch gefördert wurde. In der Folge war der internationale Handel mit Gas nicht so rege wie der mit anderen fossilen Brennstoffen, insbesondere Öl. Im Laufe der Zeit entstanden so drei wichtige Preisgestaltungsmechanismen.
- Staatlich regulierte Preise
- Preisbindung an andere Brennstoffe, meist Öl
- Offener Markt oder Spotpreise
In Europa setzten sich die an das Öl gebundenen Preise durch, während die USA auf Spotpreise setzten. In Europa sind langfristige Gaslieferverträge häufig an den Heizölpreis gekoppelt. Die verwendete Berechnungsformel stammt aus den 1970er-Jahren.
Liberalisierung der Märkte
Die Veränderungen auf dem europäischen Gasmarkt begannen in den 1990er-Jahren. Großbritannien liberalisierte den Gasmarkt nach dem US-amerikanischen Modell und eröffnete einen neuen Handelsplatz genannt NBP (National Balancing Point). 1998 wurde das britische Gasnetz an Belgien angeschlossen, sodass der Gashandel auf dem Kontinent möglich wurde. Zusammen mit anderen Faktoren führte dies dazu, dass die Preisgestaltung auf den europäischen Gasmärkten sich zweigleisig entwickelte: Ölpreisbindung auf dem Kontinent und Marktpreise in Großbritannien.
Spannungen
Überkapazitäten in der globalen Gasversorgung, in erster Linie durch Investitionen in die Flüssiggasförderung und einen Einbruch bei der Nachfrage aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise 2008/2009, ließen bei den Abnehmern den Ruf nach neuen Preismodellen auf dem europäischen Gasmarkt laut werden. Dank der Erholung der europäischen Wirtschaft stieg auch der Ölpreis wieder stetig an und brachte die Importeure von an den Ölpreis gekoppeltem Gas in Bedrängnis. Erst im Februar 2011, als die Diskrepanz zwischen den an den Ölpreis gebundenen Preisen und den aktuellen Spotpreisen den höchsten Stand in acht Monaten erreichte, drängten die größten Energieversorger Europas auf eine Änderung der Berechnungsgrundlage für den Erdgaspreis auf dem europäischen Festland.
Auswirkungen der neuen Preisfindungsmechanismen für Energieverbraucher
Die Abkehr von der Ölpreisbindung hin zur kurzfristigen Preisfindung bietet Kunden die Möglichkeit, Gas zu flexibleren und transparenteren Preis- und Lieferkonditionen zu beziehen. Die Entstehung neuer Handelsplätzen eröffnet den Akteuren am Markt einen besseren Zugang zu Erdgasangebot und -nachfrage. Diese Handelsplätze dienen nicht nur als Orte für den Spothandel sondern unterstützen auch den Kauf und Verkauf von längerfristigen Verträgen.
Cargills Angebot im Bereich Gas
Seit vielen Jahren ist Cargill ein bedeutender Eigenhändler und Gaslieferant. Durch europäische Handelsniederlassungen in Genf, London und Amsterdam versorgt das Unternehmen nicht nur seine eigenen Industrieanlagen mit Gas sondern verwaltet und überwacht auch das Preisrisiko.
Durch die Marktliberalisierung konnte Cargill sich vom reinen Gaskunden zum Gaslieferanten entwickeln. Im Februar 2009 verstärkte das Unternehmen seine Geschäftstätigkeiten und baute einen Vertrieb auf dem deutschen Gasmarkt auf. Neben Industriekunden konzentriert sich das Gasgeschäft von Cargill in Europa auch auf lokale und regionale Versorgungsunternehmen. Diesen Kunden werden eine Reihe flexibler Liefer- und Preiskonzepte angeboten, die auf dem Zugang zu Spot- und Terminmärkten für Gas beruhen. Zur Unterstützung der Vertriebsaktivitäten verfügt Cargill zudem über physische Speicherkapazitäten in Deutschland sowie über zahlreiche Lieferverträge mit Gasproduzenten.



